Vitamin-B-Komplex-Infusion (B1, B6, B12, Folsäure)
Intravenöse Gabe von B-Vitaminen — Thiamin, Pyridoxin, Vitamin B12 und Folsäure — in physiologischer Kochsalzlösung. Sinnvoll nach ärztlicher Indikationsstellung, etwa bei laborgesichertem Mangel oder gestörter Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt. Durchführung unter Überwachung in der Privatpraxis, Abrechnung nach GOÄ.
Zusammensetzung
| Thiamin (Vitamin B1) | 100 mg |
| Pyridoxin (Vitamin B6) | 50 mg |
| Vitamin B12 (Depotform) | 1,5 mg |
| Folsäure | 5 mg |
| Trägerlösung | NaCl 0,9 %, 500 ml |
Wann diese Infusion sinnvoll ist — und wann nicht
Sinnvoll bei laborgesichertem Mangel an B-Vitaminen oder Folsäure, wenn die orale Einnahme nicht vertragen wird, nicht möglich ist oder nachweislich nicht ausreicht — etwa bei Resorptionsstörungen. Ohne Befund substituiere ich nicht: Bei intakter Aufnahme über den Darm ist die orale Gabe in der Regel gleichwertig.
B-Vitamin-Infusionen werden auch bei anhaltenden Erschöpfungszuständen, etwa nach Infekten, eingesetzt. Die Studienlage hierzu ist begrenzt — das sage ich offen, bevor Sie buchen.
Bei anhaltender Erschöpfung gilt: erst die Abklärung, dann die Behandlung — siehe Ständig müde und erschöpft und Erschöpfungs- und Vitalstoff-Check.
Sicherheit und Ablauf
Die Infusion läuft in der Regel 30–60 Minuten und findet unter ärztlicher Betreuung statt — mit fachgerecht angelegtem Venenzugang, Überwachung während der gesamten Gabe und vollständiger Notfallausstattung. Als Facharzt für Anästhesiologie ist das mein originäres Fachgebiet. Abrechnung als Selbstzahlerleistung nach GOÄ; die Kosten besprechen wir vorab transparent im persönlichen Gespräch.
Diese Seite gibt einen ersten Überblick. Was eine Behandlung konkret für Sie bedeutet — welche Methode, welche Dosierung, welche Erwartung sinnvoll ist — gehört in ein persönliches Gespräch in der Praxis. In Ruhe, mit Befund, mit Zeit.
Was eine Infusion leisten kann — und was nicht
Eine Infusion umgeht den Darm und bringt einen Wirkstoff direkt in den Blutkreislauf. Das ist ein Vorteil, wenn die Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt gestört ist, wenn Tabletten nicht vertragen werden oder wenn ein Speicher rasch gefüllt werden soll. Es ist kein Vorteil, wenn im Körper ohnehin genug von dem Stoff vorhanden ist.
Das ist der entscheidende Punkt, über den in der Infusionsmedizin selten offen gesprochen wird: Die Wirkung hängt davon ab, ob ein Mangel besteht. Eine randomisierte Doppelblindstudie mit 141 Teilnehmenden zeigte, dass eine hochdosierte Vitamin-C-Infusion die Erschöpfung signifikant senkte — allerdings nur bei den Personen mit niedrigem Ausgangsspiegel. Bei gefüllten Speichern war kein Unterschied zur Kochsalzlösung messbar.
Suh SY et al., Nutrition Journal 2012 (PMID 22264303)
Ehrlich zur Evidenzlage
Gut belegt
Der Ausgleich eines nachgewiesenen Mangels — etwa Eisen oder Vitamin B12 — mit messbarem Effekt auf Laborwerte und Beschwerden.
Plausibel, schwach belegt
Magnesium bei Migräne: In der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie als Option mit geringem Evidenzgrad geführt, bei sehr gutem Sicherheitsprofil.
Wirkt abhängig vom Ausgangswert
Vitamin C bei Erschöpfung: belegt bei niedrigem Spiegel, ohne nachweisbaren Effekt bei gefüllten Speichern.
Nicht belegt
Aufbau- und „Detox"-Infusionen ohne Befund, NAD-Infusionen zur Verjüngung: Für die intravenöse Gabe existieren bislang keine aussagekräftigen Wirksamkeitsstudien.
Warum eine Infusion in ärztliche Hände gehört
Jede intravenöse Gabe kann in seltenen Fällen eine schwere Überempfindlichkeitsreaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock auslösen. Selten heißt nicht nie — und der Verlauf kann innerhalb von Minuten bedrohlich werden. Im Juli 2026 starb in New York eine 27-jährige Frau nach einer Infusion in einem Wellness-Studio; der Betreiber war kein Arzt.
Als Facharzt für Anästhesiologie mit der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin ist das Erkennen und Behandeln solcher Reaktionen mein tägliches Handwerk. Hinzu kommt ein rechtlicher Punkt, der oft untergeht: Verschreibungspflichtige Infusionslösungen dürfen ausschließlich von Ärztinnen und Ärzten verordnet und angewendet werden — nicht von Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern.
Und eine Frage, die Sie sich stellen dürfen: Wenn eine Infusion andernorts dasselbe kostet wie in einer Arztpraxis — wofür genau zahlen Sie dann?
Diese Seite gibt einen ersten Überblick und dient der Aufklärung. Ob eine Infusion für Sie sinnvoll ist, welcher Wirkstoff in welcher Dosierung infrage kommt und welche Erwartung realistisch ist, ergibt sich aus Befund und Gespräch — nicht aus einem Wunsch. In Ruhe, mit Befund, mit Zeit.

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